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18.04.2017
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Gebärdensprachen vs. Lautsprachen

Gebärdensprachen schaffen das, was die Akustik nicht kann. Durch sie wird eine Form der Sprache möglich, die es zum Beispiel nicht hörenden oder schwer hörenden Menschen möglich macht, zu kommunizieren.

GEBÄRDENSPRACHEN IM ÜBERBLICK

Als sogenannte Unterstützte Kommunikation wird Gebärdensprache auch von Menschen genutzt, die sich durch eine andere Behinderung schwer mit der Lautsprache tun. Gebärdensprache funktioniert durch visuelle Gesten, die Gesichtsmimik, sowie eine spezielle Körperhaltung und lautlos gesprochene Wörter.

Zum Verständnis kommt es auf die richtige Reihenfolge und die Kombination der verschiedenen Elemente an. Wichtig ist, dass es weltweit hunderte verschiedene Gebärdensprachen gibt. Sie haben sich wie Lautsprachen national unterschiedlich entwickelt und bergen sogar Dialekte und altersspezifische Abweichungen. Die ISG (International Sign Language) macht eine weltweite Kommunikation möglich.

Manko: Rechtlich gesehen fehlt Gebärdensprachen in vielen Ländern noch der gleichberechtigte Status als Sprachegegenüber gesprochenen Sprachen. In Österreich ist die ÖGS mittlerweile seit 2005 Teil der Bundesverfassung und gilt als die offizielle Muttersprache gehörloser Menschen.

LAUTSPRACHEN IM ÜBERBLICK

Als Lautsprache wird jede Form der Kommunikation bezeichnet, die durch die Artikulationsorgane (Kehlkopf, Zunge, Mund, etc.) funktioniert. Bestimmte Sprachlaute werden auch hier in einer ganz spezifischen Weise artikuliert. Interessant ist dabei, dass keine einzige Sprache alle Laute beinhaltet, die wir eigentlich produzieren könnten. Jede Sprache enthält nur eine bestimmte Auswahl aus dem riesigen Lautspektrum – deshalb hat auch jede Lautsprache ihre ganz eigene Klangfarbe. Dabei verändern sich unsere Sprachen laufend, und das gilt natürlich auch für die Gebärdensprachen.

DIE BESONDERHEITEN DER GEBÄRDENSPRACHEN

Um eine Gebärdensprache zu verstehen, ist wie bei der Lautsprache die richtige Kombination der verschiedenen Zeichen wichtig. Je nachdem, ob eine Geste zum Beispiel mit einer Kopfbewegung oder einer anderen Ausdrucksform zusammengeführt wird, ergibt sich eine andere Bedeutung. Für fast jedes Wort gibt es eine eigene Gebärde. Dabei gehört das bekannte Fingeralphabet eigentlich nicht zur Gebärdensprache, sondern wird nur im Fall von Fremdwörtern oder Eigennamen benutzt. Oder aber, wenn einem die gesuchte Gebärde gerade einfach nicht einfällt.

Besonders ist hier auch die Grammatik. Denn die ist im Gegensatz zur Lautsprache stark vereinfacht – ein Satz besteht zum Beispiel aus der Reihenfolge Subjekt-Objekt-Verb. Beispielsweise wird so aus „Ich esse einen Apfel“ stattdessen „Ich Apfel essen“. Gibt es zusätzlich noch Adverbien, werden die hinter das Subjekt gesetzt, Fragewörter stehen entweder am Anfang oder am Ende eines Satzes.

Was die Zeitformen angeht, gibt es ebenfalls einige spannende Unterschiede. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft finden in den einzelnen Wörtern keine Beachtung. Man kann die Zeit mithilfe zusätzlicher Gebärdenzeichen oder einer bestimmten Mimik ausdrücken. Dasselbe gilt für verschiedene Satzformen, wie etwa Aussagesätze, Fragen, Aufforderungen, Verneinungen oder auch Stimmungen – sie werden durch eine ganz eigene Mimik oder durch eine angepasste Geschwindigkeit der Gebärden kommuniziert. Dabei ist der Gesprächszusammenhang relevant, denn er macht klar, welche Bedeutung einer Gebärde gerade gefragt ist. Eine einzelne Gebärde hat schließlich oft facettenreiche Bedeutungsmöglichkeiten.  Man sieht also gut, wie komplex so eine Gebärdensprache sein kann.

GEBÄRDENSPRACHENDOLMETSCHER  

Wer bei den vielen Facetten der Gebärdensprachen vor einem Rätsel steht, wendet sich für gewöhnlich an einen Gebärdensprachendolmetscher. Diese Menschen dolmetschen dann in beide Richtungen, sowohl für gehörlose als auch für hörende Personen. In anderen Situationen kann es aber auch zur Übersetzung von einer Gebärdensprache in die andere kommen, oder auch etwa von einer anderen Lautsprache in die örtliche Gebärdensprache. Wie erwähnt, könnte etwa ein Italiener die Deutschschweizer Gebärdensprache nicht einfach so verstehen.  Wird also zwischen zwei Gebärdensprachen gedolmetscht, ist der Übersetzer meist selbst gehörlos.

Es gibt mittlerweile sogar zahlreiche Apps, mit denen man sich im Dschungel der Gebärdensprachen gut zurechtfinden kann. Das große Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache beispielsweise, ist kostenlos erhältlich. Auch Spielesollen den Umgang mit den Sprachen und verschiedenen Dialekten spielerisch schulen. Ein Blick in diese andere Sprachenwelt lohnt sich bestimmt!

FAZIT

Dieser kleine Einblick in die Welt der Gebärdensprachen zeigt, wie sehr sie sich teilweise von den Lautsprachen unterscheiden. Was in gesprochener Weise sinnvoll klingt, kann nie 1:1 in Gebärden übersetzt werden. Es gibt vielseitige Besonderheiten, die Gebärdensprachen ausmachen. Überall auf der Welt haben sich dazu verschiedene Systeme etabliert, durch die man sich unterhalten kann.

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