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Jugendsprache wird von jungen Leuten verwendet
25.09.2019
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Jugendsprache 2020: Definition und kleines Wörterbuch

„Du bist anstrengend AF“. Lesen Sie das gerade und haben keine Ahnung, was „AF“ heißen soll? Dann sind Sie vermutlich über 20 Jahre alt und die Jugendsprache von heute ist Ihnen nicht mehr geläufig. Was bei Ihnen damals vielleicht „cool“ oder „geil“ war, ist heute eher „lit“ oder „lan“. Sheeesh, oder? Wollen Sie wissen, was Jugendsprache ist und welche Beispiele für Jugendsprache Sie unbedingt kennen sollten? Dann wrapen Sie sich doch ein und spitzen Sie die Lauscher, wenn Sie gerade eh nur am Fermentieren sind, Bruh!

Hintergründe von Jugendsprache

Die Jugendsprache, die aus genau solchen Ausdrücken besteht, ist einem ständigen Wandel unterworfen. Die Sprache, die junge Leute verwenden, hängt von zahlreichen Faktoren ab: Zeit des Aufwachsens, sozialer Stand, Umfeld, Erziehung, aber auch Neigungen und Interessen der Jugendlichen spielen eine wichtige Rolle.

Das Ziel solch spezifischer Sprache ist häufig die Abgrenzung zu anderen sozialen Gruppen, nicht selten zu den Eltern oder zu Autoritätspersonen allgemein. Jugendliche identifizieren sich durch bestimmte Sprachverwendung und Begriffe. Im Folgenden finden Sie Wissenswertes über die Jugendsprache sowie ein kleines Wörterbuch mit den skurrilsten Ausdrücken.

Merkmale und Definition: Was ist Jugendsprache?

Jugendsprache beschreibt Sprachmuster bzw. Sprechweisen, die unterschiedliche Gruppen von Jugendlichen zu unterschiedlichen Zeiten, in verschiedenen Situationen und Altersstufen verwenden. Es gibt also nicht DIE eine Definition von Jugendsprache. Es existieren zahlreiche Formen von „Mikrosprachen“, die von verschiedenen Gruppen in unterschiedlichen Kommunikationssituationen verwendet werden.

In der heutigen Jugendsprache allgemein spielen Übertreibungen, Humor, Wortverschmelzungen etc. eine bedeutende Rolle. Die Jugendsprache wird außerdem zunehmend von Ausdrücken aus dem digitalen Bereich beeinflusst.

Soziale Medien haben eine nicht unwesentliche Auswirkung auf die Sprache – insbesondere die der jungen Generation. Globalisierung und Interkulturalität sind hierfür ebenso wichtig. Es wird dabei von Ethnolekten gesprochen. Ein Beispiel für ein jugendliches „Türk-Deutsch“ wäre „Isch geh Bahnhof“.

Cringe, Mashallah, Lauch – Jugendsprache-Beispiele 2020

„Cringe“ reiht sich ein in die Begriffe, die vom (englischsprachigen) Internet beeinflusst werden.

Übersetzt bedeutet es so viel wie „zusammenzucken“; „to cringe at something“ kann mit „etwas höchst peinlich finden“ übersetzt werden. Im jugendsprachlichen Sinn geht „cringe“ in Richtung des Fremdschämens. Zahlreiche Videos, die im Internet kursieren, sind explizit auf diesen Fremdschäm-Faktor ausgelegt.

Für Jugendliche programmatisch ist die Peinlichkeit, die ihnen oft von ihren Eltern beschert wird, wenn sie beispielsweise cool sein wollen. Hier wäre „cringe pur“ ein passender Ausruf eines peinlich berührten Jugendlichen.

Übrigens war „Cringe“ unter den Top 3 für das Jugendwort 2020. Welches es schlussendlich geworden ist, erfahren Sie weiter unten.

Haben Sie schon mal das Wort „Mashallah“ gehört?

Bei „Mashallah“ handelt es sich um einen Ausruf, der als Kompliment dienen soll. Das Wort bedeutet sinngemäß übersetzt so etwas wie „großartig“. Es kommt ursprünglich aus dem Arabischen und bedeutet dort exakt übersetzt „Was Allah wollte, ist eingetreten“. Wenn ein Jugendlicher Ihnen in Zukunft „Mashallah“ entgegenruft, können Sie sich freuen: Dann haben Sie ganz offenbar etwas richtig gemacht.

„Mashallah“ war zwar nicht unter den Top 3 für das Jugendwort 2020, dafür aber unter den letzten zehn.

Lauch ist doch ein Gemüse, oder?

Ja klar, aber das interessiert doch einen vor pubertierender Ignoranz strotzenden Jugendlichen nicht. Viel besser eignet sich das Wort doch für jemanden, der schwach, blass und ohne eigene Meinung ist.

Lauch als Jugendwort
Der Begriff "Lauch" ist in der Jugendsprache alles andere als ein leckeres Gemüse . Als "Lauch" bezeichnet die soziale Gruppe eine schwache, blasse Person ohne eigene Meinung.

Denn genau dafür wird der Grünzeug-Name zweckentfremdet. Naja, zumindest teilweise, denn ein bisschen angelehnt an das Aussehen des Gemüses sind diejenigen Personen ja auch, die damit betitelt werden. Blass, dünn, ohne Muskeln oder nennenswerte Kurven – alles Attribute, die auf Lauch auch irgendwie zutreffen. Übrigens war „Lauch“ in der engeren Auswahl für das Jugendwort 2018, wurde dann aber von „Ehrenmann/Ehrenfrau“ verdrängt. So ein Lauch!

Fun Fact: Aufgrund von Umstrukturierungen im Langenscheidt-Verlag, der stets die Wahl zum Jugendwort des Jahres durchführt, fiel die Wahl 2019 aus. Dafür steht das Jugendwort des Jahres 2020 aber schon fest: Und geworden ist eeees... „Lost“. „Lost“ konnte sich schlussendlich gegen „Wild“ und „Cringe“ durchsetzen. Das Wort kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt „verloren“. Es beschreibt einen Menschen, der keinen Plan von irgendwas hat und nicht checkt, was gerade abgeht - um es mal mit Jugendworten zu formulieren.

„Lost“ löst damit „Ehrenmann/Ehrenfrau“, den Vorgänger von 2018, als neues Jugendwort ab.

Vong cringe her: weitere Beispiele für Jugendsprache

Nachdem Sie diesen Artikel gelesen haben, leiden Sie sicher an „Screenitus“ (Verschmelzung von „Screen“ und „Tinnitus“; beschreibt den Umstand, wenn man zu lange am Bildschirm gehangen hat) – versprochen.

Screenitus als Jugendsprache
Der Bildschirm gehört zum ständigen Begleiter der neuen Generation. Bei zu langer Bildschirmnutzung hat sich im Wortgebrauch der Jugend der Begriff "Screenitus" etabliert.

Denn wenn man mal angefangen hat, jugendsprachliche Ausdrücke zu studieren, kann man gar nicht mehr aufhören. Die Kreativität mancher Begriffe und Wendungen ist nämlich einfach nur „lit“.

  • Klar, dass zahlreiche jugendsprachliche Ausdrücke heutzutage vom Internet geprägt werden. Soziale Medien, InfluencerInnen und GamerInnen haben hier einen bedeutenden Einfluss. Begriffe wie „Banalverkehr“ (belangloser Chatverlauf), „exting“ (per Text-Nachricht mit jemandem Schluss machen), „GEGE“ („good game“, Ausdruck von Gamern) oder „zuckerbergen“ (stalken) sind sprachliche Zeugnisse unserer heutigen Digital-Kultur. Wenn Sie diese nicht kennen, sind Sie wahrscheinlich „sozialtot“, also in sozialen Netzwerken nicht aktiv. Oder einfach nur alt.
  • Zur häufigen Verwendung von Begriffen, die in irgendeinem Verhältnis zum Internet stehen, kommen die zahlreichen Ausdrücke hinzu, die einen englischsprachigen Einfluss haben. Dies kann man an Beispielen wie „Swaggernaut“ (sehr coole Person), „fly sein“ (cool sein, abgehen), „napflixen“ (schlafen und daneben Netflix einschalten), „hustlen“ (sich ins Zeug legen, hetzen) oder „squad“ (Clique) sehen.
  • Häufig werden außerdem Begriffe aus der deutschen Alltagssprache gemischt und so zu neuen umgeformt, wie man bei „Banalverkehr“, „breiern“ (brechen und danach weiterfeiern), „Dummfall“ (dummer Unfall) oder „tacken“ (Nachrichten verschicken, wenn man am Klo sitzt; tacken = texten + kacken) erkennen kann. Ein Beispiel für solch eine Zusammensetzung, die 2019 viral ging, ist das Wort „Gönnjamin“. Geprägt wurde das Wort durch den Rapper Kollegah, der es über Social Media verbreitet hat. „Gönnjamin“ setzt sich aus gönnen und Benjamin zusammen und beschreibt jemanden, der sich gerne teure Sachen gönnt.

 

„Tacken“ & „Ameisentitten“: vulgäre Wörter in der Jugendsprache

Vielleicht ist Ihnen bei diesen Beispielen schon aufgefallen, dass die von Jugendlichen verwendeten Begriffe häufig sarkastisch, vulgär und abwertend angehaucht sind. Sehr oft lassen sich hierbei Ausdrücke finden, die Verbindungen zu Ausscheidungen des Menschen („tacken“) oder zur Sexualität („Banalverkehr“) herstellen.

Beispiele für Wortschöpfungen dieser Art finden Sie im Folgenden:

  • „Landkreismatratze“ ist beispielsweise ein Ausdruck für ein Mädchen, das mit vielen Jungs aus seiner Umgebung schläft.
  • Die Verbindung von verschiedenen Sinnesorganen mit dem Wort „Orgasmus“ ist bei Jugendlichen außerdem sehr beliebt. „Ohrenorgasmus“ oder „Augenorgasmus“ haben Sie bestimmt schon gehört. Diese beiden Wörter werden verwendet, wenn etwas besonders schön klingt bzw. ebenso aussieht.
  • „Nasenorgasmus“ hingegen beschreibt den Vorgang des Niesens.
  • „Foodporn“ beschreibt im Übrigen, dass etwas Essbares so gut aussieht oder schmeckt, dass man sterben könnte.
Foodporn bezeichnet ein gutes Essen
Beim Anblick von diesem Gericht würden viele Jugendliche von "foodporn" sprechen.

Haben Sie schon mal das Wort „Alimentenkabel“ gehört? Nein! Seien Sie nicht traurig, denn auf die Bedeutung dieses Jugend-Ausdrucks zu kommen, grenzt an Detektivarbeit. Falls Sie jetzt an ein neuartiges Kabel denken, durch das Alimente vom Vater zum entsprechenden Kind gelangen, liegen Sie falsch.

Es handelt sich hierbei auch nicht um einen Fernsehkanal für alleinerziehende Mütter. Nein. „Alimentenkabel“ beschreibt nichts Geringeres als das Stück, das eine Frau zur Mutter machen kann. Ja, richtig. Es ist ein Ausdruck für „Penis“. Mehr muss dazu wohl nicht mehr gesagt werden.

Ein weiterer Ausdruck gefällig, der sexuell relevante Körperteile beinhaltet? Dieses Mal handelt es sich allerdings um eine durchaus harmlose Bedeutung, die lediglich mit einem äußerst kreativen, vulgären Wort umrissen wird. Auch schon mal Ameisentitten gehabt? Nein? Doch, ziemlich sicher. Dafür müssen Sie nicht mal eine Frau sein. Ameisentitten ist nämlich lediglich ein Ausdruck für Gänsehaut. Logisch, was sonst…?

Bei „Analhusten“ kommen Sie vielleicht eher drauf, um was es sich handeln könnte. Ja, richtig, dies ist ein Ausdruck dafür, wenn jemand an Blähungen leidet. Seems legit!

„Faltenbügler“ oder „Fummelbunker“: Jugendsprache 

Sie sehen, der Kreativität der Jugendlichen sind keine Grenzen gesetzt, wenn es um ihre eigene Sprache geht. Für Formenreichtum bedarf es aber nicht zwangsweise eines Bezugs zu Körperteilen oder Ausscheidungen, wie folgende Beispiele zeigen. Lust auf eine Runde „Heiteres Beruferaten“?

  • „Faltenbügler“ haben Sie vielleicht schon mal gehört. Es handelt sich hier um einen Schönheitschirurgen. Zugegeben, darauf kann man mit ein wenig Nachdenken von selbst kommen. Jetzt wird es schwieriger. Was ist denn bitte ein…
  • „Gelbsüchtiger“? Da fällt Ihnen sicher gleich die Krankheit ein. Es wird aber ein Beruf gesucht. Keine Idee? Es handelt sich selbstverständlich um einen Postboten. Sowieso.
  • Ein letzter Versuch: Haben Sie schon einmal ein „Mietmaul“ engagiert? Was das ist, fragen Sie sich? Liegt doch auf der Hand. Es handelt sich hier natürlich um einen Rechtsanwalt. Logo! Ok, weil’s so lustig ist, noch einen.
  • Was könnte denn ein „Plattenpräsident“ tun? Er ist, wie der Name schon sagt, Präsident der Platten und kann somit nur eines sein, oder? Richtig, ein DJ.

 

Allgemein lässt sich beobachten, dass Jugendliche Dinge und Menschen gern nach Merkmalen des Aussehens, Tätigkeiten oder nach Ähnlichkeiten zu anderen Dingen oder Menschen beschreiben.

Diese Tatsache lässt sich an „Fummelbunker“ gut demonstrieren. Können Sie sich noch an einen Ort aus Ihrer Jugend erinnern, an dem Sie gefummelt haben? Richtig, die Diskothek. Denn genau die ist mit „Fummelbunker“ gemeint.

Falls Sie noch ein kreatives Wort für „Rollator“ suchen, lesen Sie einfach weiter. „Pflasterporsche“ strahlt doch geradezu vor Einfallsreichtum. Wenn man sich da nicht auf die Zeit als Ghetto-Rentner freut…

Lit statt Lauch oder: Läuft bei Ihnen

Nachdem Sie dank Ihres neu gewonnenen Vokabulars jetzt ein absoluter Jugendsprach-Profi sind, könnten Sie sich doch mal in die nächste Bar (oder Schule) wagen und ein Gespräch oder „Enterbrainment“ mit den Jugendlichen starten. Gönnung, sagen wir da nur. Wieso das für Sie relevant sein sollte? Halt vong Interesse her.

„AF“, das Sie als erstes Beispiel für Jugendsprache in der Einleitung gelesen haben, bedeutet übrigens „as fuck“. Dies wird meist zur besonderen Hervorhebung verwendet. Der zitierte Satz aus der Einleitung beschreibt also den Umstand, dass der/die Angesprochene nicht nur anstrengend, sondern anstrengend as fuck, also voll/total/besonders/richtig anstrengend ist. Nicer Scheiß!

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