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Jugendsprache 2023

01/2024 – Ljubica Negovec

Jugendsprache 2023: Definition und kleines Wörterbuch

„Das ist so cringe“. Lesen Sie das gerade und haben keine Ahnung, was „cringe“ heißen soll? Dann sind Sie vermutlich über 19 Jahre alt und die Sprache der Jugend von heute ist Ihnen nicht mehr geläufig. Was bei Ihnen damals vielleicht „cool“ oder „geil“ war, ist heute eher „lit“ oder „lan“. Das kommt Ihnen komisch vor? Sheesh, Diggah! Aber keine Sorge: Sogar die jüngeren Millennials haben inzwischen Schwierigkeiten mit den Wortschöpfungen der jüngsten Generation.

Wollen Sie wissen, was Jugendsprache ist und welche Beispiele für Jugendsprache Sie unbedingt kennen sollten? Dann wrapen Sie sich doch ein und spitzen Sie die Lauscher, wenn Sie gerade eh nur am Fermentieren sind!

Hintergründe & Bedeutung von Jugendsprache

Die Jugendsprache, die aus genau solchen Ausdrücken besteht, ist einem ständigen Wandel unterworfen. Die Sprache, die junge Leute verwenden, hängt von zahlreichen Faktoren ab:  Zeit des Aufwachsens, sozialer Stand, Umfeld, Erziehung, aber auch Neigungen und Interessen der Jugendlichen spielen eine wichtige Rolle.

Das Ziel solch spezifischer Sprache ist häufig die Abgrenzung zu anderen sozialen Gruppen, nicht selten zu den Eltern oder zu Autoritätspersonen allgemein. Jugendliche identifizieren sich durch bestimmte Sprachverwendung und Begriffe. Im Folgenden finden Sie Wissenswertes über die Jugendsprache sowie ein kleines Wörterbuch mit den skurrilsten Ausdrücken.

Merkmale und Definition: Was ist Jugendsprache?

Jugendsprache beschreibt Sprachmuster bzw. Sprechweisen, die unterschiedliche Gruppen von Jugendlichen zu unterschiedlichen Zeiten, in verschiedenen Situationen und in unterschiedlichen Altersstufen verwenden.

Es gibt also nicht DIE eine Definition von Jugendsprache. Stattdessen existieren zahlreiche „Mikrosprachen“, die von verschiedenen Gruppen in unterschiedlichen Kommunikationssituationen verwendet werden.

In der heutigen Jugendsprache allgemein spielen Übertreibungen, Humor, Wortverschmelzungen etc. eine bedeutende Rolle. Die Jugendsprache wird außerdem zunehmend von Ausdrücken aus dem digitalen Bereich beeinflusst.

Speziell soziale Medien (Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok & Co.) und Messenger-Dienste (z. B. WhatsApp, Signal oder Telegram) wirken sich stark auf die Sprache der jungen Generation aus. Ebenso wichtig sind Globalisierung und Interkulturalität. Dabei spricht man von Ethnolekten. Ein Beispiel für ein jugendliches „Türk-Deutsch“ wäre „Isch geh Bahnhof“.

Jugendliche mit Smartphone in den Händen

Slay, rizz und flex: Jugendsprache-Beispiele 2022 & 2023

Viele der Jugendwörter, die bereits in den letzten Jahren beliebt waren, werden auch 2023 noch fleißig genutzt. Beispielsweise „Slay!” – ein Ausdruck der Bewunderung oder der Zustimmung. 

Das durch Memes geprägte Schimpfwort „Geringverdiener“ (für Verlierer und Versager) hat ebenfalls noch nicht ausgedient. Auch wenn der Ausdruck „Cheche” mittlerweile als Synonym dafür verwendet werden kann. Was das genau heißt? Kein Plan, Bre.

Verdächtige Dinge/Menschen sind übrigens auch weiterhin „sus“ – ein Begriff aus dem populären Multiplayer-Game „Among us“. Solltest du dieses Wort also schon drauf haben – Slay!

Doch jetzt heißt es: Aus dem Weg, Geringverdiener! Denn es folgen weitere Jugendsprache-Beispiele der Jahre 2022 und 2023.

  • „Kerl*in“ ist die neueste Variante für „bruh“, „Bratan“, „Bro“ und „Bre“ – also für einen Kumpel. Und wenn wir schon dabei sind: „Diggah” ist übrigens auch wieder zurück.
  •  „Auf Lock“ ist die Abkürzung für „auf locker”. Immer noch unklar? Same – zur Erklärung: „Auf Lock” bedeutet, die Dinge entspannt anzugehen. Also beispielsweise mit Freunden rauszugehen auf Lock. 
  • „Darf er so“ ist ein Ausdruck der Verwunderung, wenn jemand etwas Provokantes oder Dreistes gesagt hat. Es ist die Kurzfassung von „Darf er das einfach so sagen?” 
  • Wenn eine Person „Rizz” hat, dann ist sie übrigens sehr charmant und gut im Flirten. 
  • „Bubatz“ ist ein Ausdruck für Cannabis oder Joint – er wurde sogar schon von der deutschen FDP zum Thema Cannabis-Legalisierung genutzt. 
  • Wenn etwas „relatable“ ist, dann kann man es gut nachvollziehen und sich damit identifizieren.
  • Flexen“ bedeutet so viel wie angeben, beispielsweise mit einem teuren Auto. Fleißigen Internetnutzern ist „weird flex but OK“ schon länger ein Begriff – eine schnippische Antwort darauf, wenn jemand mit komplett unsinnigen Dingen prahlt.
  • Statt „sus“ hört man immer öfter „shady“. Die Bedeutung bleibt dieselbe: verdächtig oder zwielichtig.
  • Mittlerweile haben bestimmte Wörter in diesem Artikel vermutlich schon ein vernichtendes “side eye” von Ihnen bekommen. Nicht? Da sind wir aber froh. Denn jemandem ein “side eye” zu geben bedeutet seine Missbilligung oder Verachtung auszudrücken. Also jemanden einen bösen “Seitenblick” zuwerfen. 

Goofy – das Jugendwort des Jahres 2023

Yolo_goofy_springende_frau

Wie jedes Jahr entschied sich das Jugendwort des Jahres 2023 im Online-Voting des Langenscheidt-Verlags. Die Wahl fiel auf „goofy”. Kennen Sie nur als Comicfigur? Sus – aber nicht weiter schlimm. Wir bringen Sie schon noch auf Kurs. Goofy ist ein Adjektiv im Sinne von „komisch”, „tollpatschig” oder „weird”. 

„Yolo“ is back. Yolo war das Jugendwort des Jahres 2012 und feierte 2023 ein überraschendes Comeback. Kennen Sie auch nicht? OK, Boomer. Aber vom Yolo-Gedankengut könnte sich so mancher eine Scheibe abschneiden. Yolo kommt nämlich aus dem Englischen und steht für „You only live once”. Es ist also eine Aufforderung, Chancen zu nutzen und Risiken einzugehen. 

Also hören Sie auf zu merkln und machen Sie was aus Ihrem Tag. Yolo, oder was!?

Sind Sie inzwischen „lost“?

Haben Sie beim Lesen bereits den Faden verloren? Dann sind Sie wohl „lost“: das Jugendwort des Jahres 2020, welches sich gegen „cringe“ durchsetzte. Dieses kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt „verloren“. Es beschreibt einen Menschen, der keinen Plan von irgendwas hat und nicht checkt, was gerade abgeht – um es mal mit Jugendworten zu formulieren.

Vong Cringe her: weitere Beispiele für Jugendsprache

Nachdem Sie diesen Artikel gelesen haben, leiden Sie sicher an „Screenitus“ (Verschmelzung von „Screen“ und „Tinnitus“; beschreibt den Umstand, wenn man zu lange am Bildschirm gehangen hat) – relatable.

Denn wenn man mal angefangen hat, jugendsprachliche Ausdrücke zu studieren, kann man gar nicht mehr aufhören. Die Kreativität mancher Begriffe und Wendungen ist nämlich einfach nur lit.

  • Klar, dass zahlreiche jugendsprachliche Ausdrücke heutzutage vom Internet geprägt sind. Soziale Medien, Influencer und Gamer haben hier einen bedeutenden Einfluss. Begriffe wie „Banalverkehr“ (belangloser Chatverlauf), „exting“ (per Text-Nachricht mit jemandem Schluss machen), „Smombie“ (eine Person, die nichts mitbekommt, weil sie nur am Handy ist, „Smartphone” + „Zombie”) oder „zuckerbergen“ (stalken) sind sprachliche Zeugnisse unserer heutigen Digital-Kultur. Wenn Sie diese nicht kennen, sind Sie wahrscheinlich „sozialtot“, also in sozialen Netzwerken nicht aktiv. Oder einfach nur alt.
Jugendliche Gamerin vor dem Bildschirm
  • Zur häufigen Verwendung von Begriffen, die in irgendeinem Verhältnis zum Internet stehen, kommen die zahlreichen Ausdrücke hinzu, die einen englischsprachigen Einfluss haben. Dies kann man an Beispielen wie „Swaggernaut“ (sehr coole Person), „fly sein“ (cool sein, abgehen), „napflixen“ (schlafen und daneben Netflix einschalten), „hustlen“ (sich ins Zeug legen, hetzen) oder „squad“ (Clique) sehen.
  • Häufig werden außerdem Begriffe aus der deutschen Alltagssprache gemischt und so zu neuen umgeformt, wie man bei „breiern“ (brechen und danach weiterfeiern), „Dummfall“ (dummer Unfall) oder „Sauftrag“ (ein geplantes Besäufnis, „Saufen” + „Auftrag”). Ein weiteres Beispiel dafür, das 2019 in den sozialen Medien viral ging, ist „Gönnjamin“. Geprägt wurde das Wort durch den Rapper Kollegah. „Gönnjamin“ setzt sich aus „gönnen“ und „Benjamin“ zusammen und beschreibt jemanden, der sich gerne teure Sachen gönnt.

„NPC“ & „Ameisentitten“: abwertende Wörter in der Jugendsprache

Vielleicht ist Ihnen bei diesen Beispielen schon aufgefallen, dass die von Jugendlichen verwendeten Begriffe häufig sarkastisch, vulgär und abwertend angehaucht sind. Sehr oft lassen sich hierbei Ausdrücke finden, die Verbindungen zu Ausscheidungen des Menschen („tacken“) oder zur Sexualität („Banalverkehr“) herstellen.

Beispiele für Wortschöpfungen dieser Art finden Sie im Folgenden:

  • „Landkreismatratze“ oder „Dorfmatratze“ ist beispielsweise ein Ausdruck für ein Mädchen, das mit vielen Jungs aus seiner Umgebung schläft.
  • „NPC” kommt aus dem Gaming-Bereich und ist die Abkürzung für “Non-Player-Character”. Dieser Begriff ist abwertend gemeint und soll klarstellen, dass eine Person unwichtig ist. 
  • Die Verbindung von verschiedenen Sinnesorganen mit dem Wort „Orgasmus“ ist bei Jugendlichen außerdem sehr beliebt. „Ohrenorgasmus“ oder „Augenorgasmus“ haben Sie bestimmt schon gehört. Diese beiden Wörter werden verwendet, wenn etwas besonders schön klingt bzw. ebenso aussieht.
  • „Nasenorgasmus“ hingegen beschreibt den Vorgang des Niesens.
  • Sie denken, Sie haben langsam den Bogen raus? Da sind Sie wohl etwas „delulu”. Das ist die abgewandelte Schreibform vom Englischen Wort “delusional”, was im Deutschen so viel wie „wahnhaft” bedeutet.
  • „Foodporn“ beschreibt im Übrigen, dass etwas Essbares so gut aussieht oder schmeckt, dass man sterben könnte.

Beim Anblick von folgendem Burger würden viele Jugendliche von “foodporn” sprechen:

Jugendwort Foodporn: Leckerer Burger

Haben Sie schon mal das Wort „Alimentenkabel“ gehört? Nein! Seien Sie nicht traurig, denn auf die Bedeutung dieses Jugend-Ausdrucks zu kommen, grenzt an Detektivarbeit. Falls Sie jetzt an ein neuartiges Kabel denken, durch welches Alimente vom Vater zum Kind gelangen, liegen Sie falsch. Es handelt sich auch nicht um einen Fernsehkanal für alleinerziehende Mütter.

Nein. „Alimentenkabel“ beschreibt nichts Geringeres als das Stück, das eine Frau zur Mutter machen kann. Ja, richtig. Es ist ein Ausdruck für „Penis“. Mehr muss dazu wohl nicht mehr gesagt werden.

Ein weiterer Ausdruck gefällig, der sexuell relevante Körperteile beinhaltet? Dieses Mal handelt es sich allerdings um ein äußerst kreatives, vulgäres Wort mit eigentlich harmloser Bedeutung. Auch schon mal „Ameisentitten“ gehabt? Nein? Doch, ziemlich sicher. Dafür müssen Sie nicht mal eine Frau sein. Ameisentitten ist nämlich lediglich ein Ausdruck für Gänsehaut. Logisch, was sonst…?

Sie kennen den Ausdruck „Analhusten“? Weird flex but OK. Für alle, die ihn nicht kennen: „Analhusten” ist ein Ausdruck dafür, wenn jemand an Blähungen leidet. Seems legit!

Vom Lauch zum Mietmaul: Wie Jugendsprache die Welt erklärt

Sie sehen, der Kreativität der Jugendlichen sind keine Grenzen gesetzt, wenn es um ihre Sprache geht. Für Formenreichtum bedarf es aber nicht zwangsweise eines Bezugs zu Körperteilen oder Ausscheidungen. Das zeigen folgende Beispiele. Lust auf eine Runde „Heiteres Beruferaten“?

  • Faltenbügler“ haben Sie vielleicht schon mal gehört. Es handelt sich hier um einen Schönheitschirurgen. Zugegeben, darauf kann man mit ein wenig Nachdenken von selbst kommen. Jetzt wird es schwieriger. Was ist denn bitte ein…
  • „Gelbsüchtiger“? Da fällt Ihnen sicher gleich die Krankheit ein. Es wird aber ein Beruf gesucht. Keine Idee? Es handelt sich selbstverständlich um einen Postboten. Sowieso.
  • Ein letzter Versuch: Haben Sie schon einmal ein „Mietmaul“ engagiert? Was das ist, fragen Sie sich? Liegt doch auf der Hand. Es handelt sich hier natürlich um einen Rechtsanwalt. Logo! Ok, weil’s so lustig ist, noch einen.
  • Was könnte denn ein „Plattenpräsident“ tun? Er ist, wie der Name schon sagt, Präsident der Platten und kann somit nur eines sein, oder? Richtig, ein DJ.

Allgemein lässt sich beobachten, dass Jugendliche Dinge und Menschen gern nach Aussehen, Tätigkeiten oder nach Ähnlichkeiten zu anderen Dingen oder Menschen beschreiben. Diese Tatsache lässt sich am „Fummelbunker“ gut demonstrieren. Können Sie sich noch an einen Ort aus Ihrer Jugend erinnern, an dem Sie gefummelt haben? Richtig, die Diskothek. Denn genau die ist mit „Fummelbunker“ gemeint.

Falls Sie nun noch ein kreatives Wort für „Rollator“ suchen, lesen Sie einfach weiter. „Pflasterporsche“ strahlt doch geradezu vor Einfallsreichtum. Wenn man sich da nicht auf die Zeit als Ghetto-Rentner freut…

Lauch-Gemüse

Und nicht zu vergessen, eines unserer absoluten Lieblingswörter der Jugendsprache:

Lauch ist doch ein Gemüse, oder?

Ja klar, aber das interessiert doch einen vor pubertierender Ignoranz strotzenden Jugendlichen nicht. Viel besser eignet sich das Wort doch für jemanden, der schwach, blass und ohne eigene Meinung ist. Denn genau dafür wird der Grünzeug-Name zweckentfremdet.

Naja, zumindest teilweise, denn ein bisschen angelehnt an das Aussehen des Gemüses sind diejenigen Personen ja auch, die damit betitelt werden. Blass, dünn, ohne Muskeln oder nennenswerte Kurven – alles Attribute, die auf Lauch auch irgendwie zutreffen.

Übrigens war „Lauch“ in der engeren Auswahl für das Jugendwort 2018, wurde dann aber von „Ehrenmann/Ehrenfrau“ verdrängt. So ein Lauch!

Lit statt Lauch oder: Läuft bei Ihnen

Nachdem Sie dank Ihres neu gewonnenen Vokabulars jetzt ein absoluter Jugendsprach-Profi sind, könnten Sie sich doch mal in die nächste Bar (oder Schule) wagen und ein Gespräch oder „Enterbrainment“ mit den Jugendlichen starten. Werden Sie ein Swaggernaut! Wieso das für Sie relevant sein sollte? Halt vong Interesse her.

No front, aber im Gespräch mit Personen Ihres Alters sollten Sie Ihr neu erlerntes Vokabular vielleicht lieber nicht benutzen. Ansonsten werden Sie noch zur “red flag”. Also zu einer Person, mit der man lieber keine Beziehung eingehen sollte. Sie fühlen sich jetzt beleidigt? Aber wir haben doch “no front” vor den Satz gestellt. Damit haben wir klar signalisiert, dass das Gesagte nicht verletzend oder beleidigend gemeint ist. Papatastisch, oder?

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