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16.12.2014
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Esperanto: Die Sprache vom Reißbrett

Im Jahr 1887 veröffentlichte der jüdisch-polnische Arzt Ludwik Lejzer Zamenhof in einer Warschauer Broschüre zum ersten Mal einen Artikel über die von ihm entworfene Plansprache Esperanto. In seiner Heimatstadt Bialystok, damals zum Zarenreich Russland gehörend, lebten Russen, Deutsche, Polen, Weißrussen und Juden auf engstem Raum zusammen.

Jede dieser Bevölkerungsgruppen sprach eine eigene Sprache – die sie von den anderen Gruppen abgrenzte. Zamenhofs Wunsch war es, die Menschen zu verbinden, was seiner Meinung nach durch das Erlernen der Plansprache als erste Fremdsprache passieren sollte.

Der Aufstieg

Aus diesem Grund entwickelte er Esperanto so einfach wie möglich. Alle Wörter bestehen aus fixen Wortstämmen, die aneinandergefügt werden. Substantive enden auf o, Verben in der einfachen Form auf i, Adjektive auf a. Die Mehrzahlendung für Substantive ist ein j. Haus – domo, Häuser domoj, häuslich – doma. So einfach sollte es sein, jeder Mensch sollte dazu in der Lage sein, diese Designersprache zu erlernen.

Tatsächlich sah es einige Zeit sehr gut für Esperanto aus, speziell in den 1920er Jahren wurde die Zahl der Sprecher auf einige Millionen weltweit geschätzt, der Bärenanteil davon in Europa. Die Affinität der Europäer zu Esperanto verwundert kaum, entspringt doch der Großteil der Vokabeln romanischen Sprachen, besonders Latein und Französisch. Aber auch aus dem Deutschen und Englischen bzw. dem Polnischen und Russischen stammen viele der Begriffe.

Als Schrift bedient sich Esperanto des lateinischen Alphabets mit einigen Überzeichen, wie sie in slawischen Sprachen oft zu finden sind.

Der tiefe Fall

Mit dem stalinistischen System in Russland und dem nationalsozialistischen im Deutschen Reich, kam jedoch auch der tiefe Fall. Kunstsprachen wie Esperanto wurden – wie vieles andere auch – verboten. Und auch wenn die Sprache nach dem Zweiten Weltkrieg wieder etwas Aufwind erhält, kann sie sich nicht mehr durchsetzen.

Längst ist die Welt in zwei Sprachblöcke geteilt: Während im Osten das Russische zu dominant ist, setzt die westliche Welt auf Englisch. Und mit dem Zusammenbruch des Kommunismus, wird das Englische weltweit zur absolut wichtigsten Sprache.

Die Gründe für das Scheitern von Esperanto

Die Gründe im Scheitern von Esperanto liegen aber nicht nur in der Tatsache, dass Weltsprachen stets durch die weltliche Übermacht (sei sie militärisch, wirtschaftlich oder kulturell bedingt) entstanden sind. Esperanto selbst war von Vornherein nicht hundertprozentig ausgereift und verstößt durch das europäische Vokabular auch gegen seine eigene Identität.

Für Japaner ist Esperanto nicht einfacher zu erlernen als die meisten anderen europäischen Sprachen. Zudem gibt es auch in der Grammatik viele Ausnahmen und Ungereimtheiten, und die Tatsache, dass der Wortschatz hauptsächlich aus dem Romanischen kommt, das Schriftbild aber polnisch angehaucht ist, birgt unglaubliches Fehlerpotenzial.

Nur ein geringer Prozentsatz an Esperanto-Sprechern meistert die Sprache wirklich perfekt, der Großteil der Sprecher beherrscht sie auf eher schlechtem Niveau, und dies gilt nicht nur für heute, sondern auch für die Blütezeit der Plansprache. Was also als große Hoffnung eines umsichtigen Arztes entstanden war und kurz aufblühte, hatte wie eine Frühlingsblume keine wirkliche Chance gegen die Dominanz der wirklichen Weltsprachen.

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